IN VINO SANITAS – 6

Weingenuss: HERZ-lich willkommen!

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Quelle: DWI/Hartmann

Jeder, der sich mit Weinkonsum auch theoretisch beschäftigt stolpert früher oder später über einen Begriff: French Paradox. Dieser Ausdruck bezeichnet das Phänomen, das in Frankreich Todesfälle in Folge koronarer Herzkrankheiten im Vergleich zu anderen Ländern relativ selten vorkommen. Dabei ist der Verzehr der, das Herz-Kreislauf-System belastenden, gesättigten Fettsäuren, länderübergreifend gleich hoch. Durch eine statistische Analyse fand Professor Serge Renaud heraus, das dies mit dem erhöhten Rotweinkonsum in Frankreich zusammenhänge müsse.
Im Rahmen weiterer Studien bestätigte sich dieses Ergebnis. Mittlerweile kennt man eine Vielzahl an Faktoren, durch die der Wein positiv auf den menschlichen Körper wirkt.

LDL und HDL

Im Körper gibt es zwei unterschiedliche Cholesterin Transporter Zellen: LDL- Cholesterin und HDL- Cholesterin. Aus Cholesterin entstehen Hormone, Gallensäuren und Zellwandbestandteile. LDL transportiert Cholesterin zu den Körperzellen. Überschüssiges Cholesterin wird von den HDL- Transportmolekülen wieder zurück zur Leber transportiert.
Die HDL- Teilchen werden auch als das „gute“ Cholesterin bezeichnet, während LDL als das „schlechte“ Cholesterin verschrien ist. Wenn zu wenige HDL- Transporter-Zellen zur Verfügung stehen, wird die Zelle mit Cholesterin überschüttet, weil der Rücktransport nicht mehr klappt. In dem Fall nimmt die Zelle kein Cholesterin mehr auf, und dieses staut sich davor. Dadurch kommt es zu Gefäßverengungen (Arteriosklerose) und im schlimmsten Fall droht der der Herzinfarkt.

Aromen im Spätburgunder

Quelle: DWI/Hartmann

Wie hilft Wein?

Zwei Stoffklassen, die im Wein vorkommen, mindern dieses Risiko: Alkohol und Polyphenole.
Der Alkohol im Wein senkt beispielsweise die Menge an Fibrinogen. Das sind Faserstoffe die zur Pfropfenbildung benötigt werden. Pfropfen können die Gefäße verstopfen. Gleichzeitig mindert Alkohol die Arteriosklerose, weil er Blutplättchenklumpen, die die Gefäßwände verengen, auflöst. Zusätzlich wirkt Alkohol gefäßerweiternd, was den Blutdruck und die Gefahr eines Gefäßverschlusses senkt.
Die Phenole im Wein senken ebenfalls die Thrombozytenaggregation (Blutplättchenklumpen), sie heben den HDL- Cholesterin-Spiegel und wirken ebenso gefäßerweiternd.
Bei gesunden Menschen führt moderater Alkoholkonsum dazu, dass die HDL- Konzentration im Blut ansteigt und es so zu einer effektiveren LDL- Cholesterin-Entsorgung kommt. Zuviel Alkohol, also mehr als 60 Gramm Alkohol oder fünf Gläser Wein täglich, führt jedoch zu einem deutlich erhöhten Herzrisiko.

 

U- förmige Sterbekurve

Sterbekurve

Sterbekurve

Dieser Zusammenhang lässt sich an der oft zitierten U- förmigen Sterbekurve verdeutlichen. Diese veranschaulicht den Zusammenhang zwischen Weinkonsum und Sterblichkeit allgemein, sowie die Beziehung zwischen Wein und Herz-Kreislauf Versagen.
Wer wenig Alkohol konsumiert, hat statistisch gesehen gegenüber Abstinenzlern ein geringeres Risiko frühzeitig am Herzinfarkt zu sterben. Gleichzeitig mindert sich auch das frühzeitige Gesamtsterberisiko. Bei mäßigem Weingenuss verringert sich die Gefahr an einer koronaren Herzkrankheit zu sterben noch deutlicher. Wie in der Grafik zu erkennen, liegt der Tiefpunkt der beiden Kurven, also das geringste frühzeitige Herzinfarkt- und Gesamtsterberisiko bei mäßigem Weingenuss, also zwei bis drei Gläser am Tag. Darüber hinaus konsumierter Alkohol führt zu einer Steigerung des Erkrankungs- und Sterberisikos um ein Vielfaches. Dadurch kommt die U-Form zustande.
 

 

Wein, Bier oder Spirituosen?

© M. Hauck / PIXELIO

© M. Hauck / PIXELIO

In der Copenhagen City Study, unter der Leitung vom dänischen Präventionsexperten Professor Morten Groenbaeck, wurden um die 13.000 Männer und Frauen im Alter von 45 bis 85 Jahren über einen Zeitraum von 16 Jahren beobachtet. Der Alkoholeinfluss auf die Gesundheit der Probanden wurde nach Wein, Bier und Spirituosen-Konsum aufgeschlüsselt. Als Ergebnis konnte festgehalten werden, dass Biergenuss die statistisch verfrühte Gesamtsterblichkeit nicht beeinflusst. Das Risiko einer koronaren Herzkrankheit sank jedoch auch bei Biertrinkern, allerdings fiel der positive Effekt wesentlich geringer aus als beim Weintrinkern. Spirituosenkonsum steigerte dagegen das Herzinfarkt- und das Gesaamtsterberisiko.
Anhand dieser Daten lässt sich erkennen, dass ein moderater Weinkonsum positiv auf die Gesundheit wirkt. Die Wahl zwischen Rot- oder Weißwein sei am besten nach persönlichem Belieben getroffen, denn gesundheitlich wertvoll sind beide in gleichem Maße.

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